Der Weg nach Norden

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Polarlicht
Nordlicht (aurora borealis)

Nordlicht am Nachthimmel über Alta.

    Das Nordlicht ist eines der besonderen Lichtphänomene, die im Norden so faszinieren (es kommt übrigens auch in den entsprechenden polarnahen Regionen der Südhalbkugel vor und heißt dort aurora australis). Seit alters her hat das Nordlicht die Menschen beschäftigt, Staunen und Ehrfurcht, aber auch Angst in ihnen hervorgerufen und in den Mythen der Innuit, der Samen und kanadischen Indianer eine Deutung erfahren. Die Indianer glaubten, daß dies der Große Geist sei, der so seinen Kindern zeigte, daß er sie beschütze, die kanadischen Eskimos glaubten, es seien Götter, die die Seelen der Verstorbenen ins Paradies geleiteten, und die Samen Nordskandinavien hielten das Nordlicht für die kämpfenden Geister verstorbener Krieger.
Das Nordlicht weckt auch heute noch in den Menschen ein beklemmendes Gefühl und fesselt und fasziniert gleichzeitig. Es wirkt außerirdisch und fern. Der Eindruck wird sich dadurch verstärkt, daß das Nordlicht lautlos ist und nicht stillsteht, sondern wie ein Schleier im Wind am Himmel auf und ab tanzt.

    Heute weiß man, daß das winterlich-nächtliche Schauspiel mit den Aktivitäten der Sonne zusammenhängt. Die Sonne stößt ständig einen Partikelstrom aus, den man Sonnenwind nennt. Er weht mit durchschnittlich 1000 km/h und besteht aus Elektronen (negativ geladen) und Protonen (positiv geladen). Auf seiner Reise durch das All wird der Sonnenwind von den magnetischen Feldlinien der Erde eingefangen und durch die Ladung gezwungen, in Spirallienie an ihnen entlangzufliegen. Die magnetischen Feldlinien führen in Richtung der magnetischen Pole, und wenn sie schließlich in den Polgebieten in die Erdatmosphäre eindringen und sich der Erdoberfläche nähern, stoßen sie mit immer mehr Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen der Luft zusammen, je dichter diese wird. Bei jedem Zusammenstoß wird ein Teil der Energie in Licht umgewandelt, so daß ein Funken entsteht, und milliarden und abermilliarden Funken bilden ein Nordlicht. Der Sonnenwind weht aber nicht mit konstanter Stärke, sondern unterliegt ähnlichen Schwankungen wie der Wind auf der Erde. Je stärker der Sonnenwind weht, desto stärker leuchtet das Nordlicht.

    Durchschnittlich alle elf Jahre werden die Eruptionen an der Sonnenoberfläche stärker und der Sonnenwind wächst sich zu einem Magnetsturm aus. 
Die Höhe, in der die Nordlichter scheinen, liegt meist zwischen 120 und 150 Kilometer, in seltenen Fällen bis 500 km.  Man kann das Nordlicht auch an der erhöhten Elektronendichte in der sog. E-Schicht (100 bis 140 km über der Erdoberfläche) messen, und weiß dann, daß es leuchtet, auch wenn der Himmel bedeckt ist. 
Die Aurora leuchtet rot, wenn sie oberhalb 300 km entsteht. In dieser Höhe gibt es fast nur noch Sauerstoffionen, und diese strahlen unter dem Aufprall der geladenen Teilchen rotes Licht ab.

    In Tromsø und Alta kann man die Polarlichter am besten beobachten, denn diese Städte liegen auf dem sog. Nordlichtoval, das den geomagnetischen Nordpol auf Grönland ringförmig umgibt. Hier tanzt das Nordlicht bei klarem Wetter fast jede Winternacht am Himmel. Weiter nach Norden zum geografischen Nordpol hin nehmen die Nordlichter allmählich, nach Süden hin rapide ab. In Deutschland kann es durchschnittlich einmal jährlich beobachtet werden.