Unter dänischer Herrschaft
Die Pest
Die Hanse
Ein neuer Schiffstyp
Bodenschätze
Neues nationales Bewußtsein
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Unter
dänischer Herrschaft
Die von Margarete und ihrem Neffen und Nachfolger
Erich dem Pommern angestrebte skandinavische Union hielt nicht
lange. Die Schweden scherten bald aus, doch Norwegen blieb unter
dänischer Herrschaft.
Die erste Ursache für die Schwäche Norwegens war
das schreckliche Unheil, das in der Mitte des 14. Jahrhunderts über das Land hereinbrach:
Die Pest rottete mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus und entvölkerte ganze
Landstriche für die Dauer von Generationen. Weil der Wert der Ländereien sank, wurden
die großen Adelsfamilien ruiniert. Ihre Töchter konnten nur noch ins Ausland,
insbesondere nach Dänemark, heiraten, so daß 1530 dem Kronrat, dem einzigen
Überbleibsel norwegischer Autonomie, lediglich zwei Mitglieder angehörten, die wirklich
Norweger waren.
Die andere Ursache war die Vorherrschaft der Ausländer in
gehobenen Positionen: Die Festungen wurden von dänischen Offizieren kommandiert, die
Prälaten waren Ausländer - meist Engländer -, und die in den Häfen und Städten des
Südens niedergelassenen deutschen Händler der Hanse erhielten dank der dänischen
Herrscher aus dem Hause Oldenburg ständig neue Privilegien.
Als dann die Zeit der Reformation anbrach, versuchte
der Erzbischof von Trondheim vergeblich, sich gegen die Lehre Luthers zu stellen. Der
Mangel an Solidarität und Nationalbewußtsein und die Vorherrschaft des dänischen Adels
im Kronrat zwangen den Erzbischof, der zwar die Unterstützung des fernen Kaisers Karl V.
besaß, in die Niederlande zu fliehen. Das dänische Norwegen trat zur lutherischen Kirche
über.
Im Laufe dieses dunklen 16. Jahrhunderts wurde in
den Werften entlang der Süd- und Westküste Norwegens ein neuer Schiffstyp gebaut. Seit
jeher bildete der Fischfang die Basis der norwegischen Wirtschaft; als jedoch um 1500 die
wassergetriebene Gattersäge erfunden wurde, mit der man die riesigen Baumstämme in
Bohlen und Bretter sägen und dann nach Großbritannien und in die Niederlande exportieren
konnte, nahm der Holzhandel den zweiten Platz in der norwegischen Wirtschaft ein.
Seit dem 17. Jahrhundert, unter der Regierung von Christian III. und
Christian IV., wurden Bodenschätze industriell abgebaut. In diesem Zusammenhang sei
erwähnt, daß der Traum vom Gold nie in Erfüllung gegangen ist. Statt dessen mußte man
sich mit Silber, Kupfer und Nickel begnügen, die jedoch reichlich vorhanden waren. Dank
ihrer Hartnäckigkeit gelang es schließlich den norwegischen Kaufleuten, der Hanse die
Handelsprivilegien abzujagen.
Die dänisch-schwedischen Kriege jener Zeit ließen die Norweger kalt:
Das Ziel der Dänen, die Union mit Schweden wiederherzustellen, war ihnen ebenso fremd wie
das Bestreben der Schweden, sich natürliche Grenzen zu sichern. Erst als Dänemark eine
aus Norwegern bestehende Armee aufstellte, wurden diese in die Wirren hineingezogen: Die
norwegischen Truppen konnten sich dem Heer des Schwedenkönigs Karl XII. widersetzen.
Als Handel und Seefahrt einen neuen Aufschwung nahmen, entwickelte sich
bei den Norwegern ein neues nationales Bewußtsein. Sie suchten in ihrer Geschichte nach
dem Beweis dafür, daß das Land in der Lage war, sein Schicksal selbst in die Hand zu
nehmen. Eine Historikerschule entstand, die das Studium und die Erforschung einer
glorreichen Vergangenheit wieder aufleben ließ. Zwar hat Norwegen im 16. und 17.
Jahrhundert eine Besatzungsmacht ertragen, im 18. und 19. Jahrhundert aber schuf es die
Bedingungen dafür, daß es die nationale Unabhängigkeit erlangen konnte. Diese
Vorbereitungen gingen allerdings langsam vonstatten, nach nordischer Art - ohne Aufsehen
und ohne Säbelgerassel.
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