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Spitzbergen
Die Hauptinseln sind Westspitzbergen (nur diese Insel kann von Touristen besucht werden; Erlaubnis des Gouverneurs erforderlich), Nordostland, Edgenya, Barentseya, Prins Karls Forland, Kong Karls Land und Hopen. Mit einer Fläche von 61 723 km2 ist die Inselgruppe 1 1/2 mal so groß wie die Schweiz; mit den dazwischen liegenden Wasserflächen etwa zweimal so groß.
Landschaftsbild: Die Inselgruppe hat im ganzen die gleiche Form wie mehrere Erdteile: Im Norden breit, nach Süden spitz zulaufend. Das
durch tief eingreifende Fjorde stark gegliederte Gebirgtland flacht nach Osten etwas ab.
Höchste Erhebung ist die Newtonspitze mit 1717 m im östlichen Westspitzbergen. Der
Südteil besteht aus einer tektonischen Mulde von Granit und anderen harten Gesteinen, die
an den Rändern steil gestellt sind. Darin liegen Schichten der Jura- und Kreidezeit und
sogar des Alttertiärs mit Kohlenflözen. Der Norden zeigt ein leicht zerteiltes und
schräggestelltes mesozoisches Schollenland, im östlichen Teil von einer Rumpffläche
überlagert. Vier Fünftel der Fläche Spitzbergens sind mit bis zu 100 Meter dickem Eis
und Schnee bedeckt. Klima, Flora und Fauna:
Das Klima ist durch das Meer gemäßigt arktisch. Die mittlere Jahrestemperatur
beträgt -6,5°C. Im Februar werden - 17°C, im Juli 4,5°C gemessen; es herrschen also
bei weitem nicht so starke Extreme wie in Sibirien. Die Witterung ist nebelreich. Der
Himmel ist im Sommer oft bedeckt, die Bergspitzen in Wolken. Touristen brauchen etwas
Glück mit dem Wetter. Die Mitternachtssonne ist vom 21. April bis zum 24. August zu
sehen; vom 27. Oktober bis zum 16. Februar herrscht Polarnacht. Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung:
Die von den Wikingern im 12. Jahrhundert entdeckte, später in Vergessenheit
geratene Inselgruppe wurde 1596 von dem Holländer Willem Barents wiederentdeckt. Er
nannte sie nach den spitzen Bergen, die besonders an der Westküste in großer Zahl zu
sehen sind. Bald lockte der gewaltige Tierreichtum Walfänger und Robbenschläger an.
Holländer, Engländer, Franzosen, Dänen und Norweger machten sich zeitweise in blutigen
Auseinandersetzungen den Besitz der Inseln streitig. Es entstanden Walfangstationen mit
Trankochereien, die im Sommer bewohnt wurden; Reste einer holländischen Walfangsiedlung
sind noch in Smeerenburg (Smecre = Tran) auf der im Nordwesten liegenden Insel
Amsterdamøya erhalten. Wegen Erschöpfung der Tierbestände hörten Walfang und
Robbenschlägerei im 18. Jahrhundert allmählich auf; die Frage der Souveränität verlor
an Bedeutung. Es folgte eine Zeit, in der die Inseln einzelnen Jägern, Fallenstellern,
Forschern und Abenteurern gehörten. Sie wohnten und überwinterten sogar häufig an der
Küste in winzigen Hütten, die sie sich selbst aus sibirischem Treibholz bauten. Der Tierreichtum auf dem Land, mit Ausnahme einer reichen Vogelwelt, ist heute zusammengeschmolzen, die Strapazen eines Jägerlebens lohnen kaum noch. So stehen die meisten Hütten leer (sie bleiben jedoch für mögliche Notlälle unverschlossen). Jagd ist fast ausschließlich verboten. Heute ist der Kohlebergbau fast die einzige Erwerbsquelle. Etwa einen Meter mächtige Kohlenfiöze treten an verschiedenen Stellen zutage und deuten auf ein warmes Klima im Tertiär hin. Da sie ungestört liegen, können die Lorenzüge ohne Schächte waagrecht in die Berge hineinrollen. Das Abstützen der Stollen ist einfach, da der Untergrund bis in eine Tiefe von 400 Metern dauernd gefroren ist, und der zugefrorene Fels schützt auch vor Wassereinbrüchen. Die Spitzbergenkohle ist zwar locker und zerbrechlich, besitzt aber einen hohen Heizwert. Norwegische und andere Gesellschaften haben drei Tiefbohrungen durchgeführt, die aber weder Erdöl noch Erdgas ergaben. Dafür entdeckte man Uranlagerstätten. Durch die Entdeckung der Kohlevorkommen wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Besitzfrage wieder wichtig. Am 9. Februar 1920 wurde die Inselgruppe durch die Svalbard Declaration in Sèvres von den Westmächten Norwegen zugesprochen; Rußland trat dem Vertrag erst 1935 bei. Norwegen hat seit 1925 die Verwaltung, doch die 39 Signatarstaaten haben nach vorheriger Rücksprache mit Norwegen wirtschaftlichen Zugang, insbesondere zu den Kohlelagern. Von diesem Privileg macht seither nur die Sowjetunion Gebrauch. Militärisch ist Spitzbergen neutralisiert. Obwohl Norwegen der NATO angehört und die Russen dort Bergwerkssiedlungen besitzen (fast zwei Drittel der Bewohner sind Russen), ist das Verhältnis der beiden Staaten auf den Inseln gut. Durch seine Lage in der Mitte zwischen Europa, Asien und Nordamerika, ist Spitzbergen von weltstrategischer Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg war es zeitweilig von den Deutschen besetzt, spätere russische Bemühungen scheiterten. Im Hinblick auf den russischen Zugang zum Nordatlantik spielt Spitzbergen auch bei den gegenwärtigen Bemühungen eine Rolle, den Festlandsockel zwischen Norwegen und der Sowjetunion aufzuteilen. 1981 lebten 3900 Personen auf den Inseln; 1400 davon wohnten in norwegischen, 2500 in russischen Siedlungen. Besondere Hinweise:
Halten Sie sich von Eisbären fern. Die Tiere sind
lebensgefährlich, sie greifen ohne Vorwarnung an! Sie stehen unter Naturschutz und
dürfen nur bei akuter Gefahr getötet werden. Nicht brennbare Abfälle dürfen nicht zurückgelassen werden, auch nicht vergraben werden. Brennbare Abfälle müssen verbrannt werden. Jagd und Fischfang unterliegen besonderen Vorschriften. Auf Vögel ist besondere Rücksicht zu nehmen, insbesondere während der Brutzeit. Die Tiere sollen nicht verscheucht oder verschreckt werden. Jungvögel, deren Eltern vom Nest verscheucht wurden, werden leicht Opfer von Polarmöven. Jegliche Pflanzen stehen unter Naturschutz, das Pflücken ist streng verboten.
Ausrüstung: Wegen unvorhersehbarer Wetterumschläge und fehlender Wege ist grundsätzlich eine volle Ausrüstung incl. Notproviant, Zelt bzw. Outdoor-Schlafsack, Karte, Kompaß, Leuchtraketen etc. dringend zu empfehlen. Eine eventuelle Rettungsaktion kann längere Zeit dauern!
Gehen Sie nie allein! |